D-A-CH Deklaration 2025

D-A-CH DEKLARATION 2025 – CARING COMMUNITIES
Gesellschaftspolitische Hoffnung in Krisenzeiten
Initiative von Fachpersonen, Organisationen und der Zivilgesellschaft aus Deutschland, Österreich und der Schweiz anlässlich des Caring Community Kongresses 2025 D-A-CH  
Datum: 2025 | Orte: Bern, Köln, Wien

 

Präambel

Die D-A-CH Deklaration 2025 reiht sich ein in internationale Bemühungen, Caring Communities – oder anders benannte fürsorgende Gemeinschaften – zu stärken und die Kompetenz im Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer (Death und Grief Literacy) in Alltag, Institutionen und Kommunen zu verankern.

Der Bericht der Lancet Commission „The Value of Death“ (2022) kann als Grundlage für diese Bemühungen gesehen werden; er enthält Leitprinzipien für Gespräche über Sterben, Tod und Trauer sowie für sorgende Netzwerke. Die Handlungsempfehlung im Sinne der Charta zur Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen in Deutschland (2025) übersetzt diese Prinzipien in praxisnahe Schritte für Kommunen, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, die Zivilgesellschaft sowie die Politik.

Die D-A-CH Deklaration ruft – anknüpfend an die Bern Declaration (2024) – dazu auf, Gemeinschaft kohärent zu stärken und regional weiterzuentwickeln.

Sie versteht Sorge als Fundament sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit: Wer für Menschen sorgt, übernimmt zugleich Verantwortung für die Welt, in der sie leben. So verbindet sich Sorge mit Zukunftsverantwortung für kommende Generationen.

    1. Angst und Vereinsamung in Krisenzeiten

    Krisen erzeugen Ohnmacht und machen Angst. Ohnmacht führt zum Rückzug. Angst vereinsamt. Beides lässt keine Gemeinschaft entstehen. Doch gerade Krisen können auch die Hoffnung auf eine Gesellschaft der Solidarität und Sorge wecken. Denn Hoffnung stärkt das Gemeinsame, das Gemeinwohl. Wir hoffen auf ein gutes Leben bis zuletzt – nicht nur für uns selbst.

    Wir Menschen sind soziale Lebewesen und auf soziale Resonanzen sowie Kooperationen angewiesen. Wir engagieren uns deshalb nicht nur für und mit denen, „die zu uns gehören“, sondern auch für andere und für Fremde.

    Wir übernehmen Verantwortung.

    Wir bauen mit an einer sorgenden Gesellschaft.

    Wir bilden sorgende Gemeinschaften und engagieren uns für die weitere Entwicklung der sozialen Infrastrukturen. Dabei knüpfen wir an vorhandene Traditionen und Initiativen an.

    Die hospizlich-palliative Orientierung eröffnet wichtige praktische Perspektiven für die Zukunft unserer Gesellschaften: Hinschauen – Hinwenden – Zuhören – Handeln.

    So entsteht Vertrauen und Verbundenheit über Grenzen hinweg.

    2. Caring Communities

    Caring Communities sind Gemeinschaften, in denen Menschen füreinander Sorge tragen – in guten Zeiten und in Krisenzeiten, im Alltag und am Lebensende. Sie entstehen dort, wo zivilgesellschaftliche, privatwirtschaftliche und politische Akteur:innen Verantwortung teilen, sich gegenseitig unterstützen und sich solidarisch verbinden.

    So entstehen Reflexionsräume und Netzwerke, die Menschen stärken, sie enteinsamen und das Zusammenleben verbessern – lokal, über Grenzen hinweg und überall dort, wo Menschen Verantwortung für- und miteinander übernehmen.

    3. Was wir tun können

    Wir verstehen diese Entwicklung als einen demokratischen, partizipativen, diversen und inklusiven Prozess. Jede Beteiligung ist erwünscht und schafft eine bessere Zukunft.

    Mit allen, die hier leben und wohnen, sehen wir, was die Sorgen sind, und was Not tut. Wir sind neugierig und offen für die Perspektiven und Erfahrungen anderer. Wir sorgen für andere und uns selbst. So fördern wir Auf- und Ausbau einer sorgenden Gesellschaft – durch kleine wie große Initiativen, Nachbarschaftshilfe, intergenerationelle Projekte und freiwilliges Engagement; unterstützt durch Politik, Verwaltung, Bildung, Kirchen, Religionsgemeinschaften und am Arbeitsplatz. Dies ermöglicht gemeinsame solidarische Sorge in den Krisen menschlichen Lebens, besonders in der letzten Lebensphase.

    So entsteht eine Kultur der gegenseitigen Unterstützung, in der Sorge nicht delegiert und Care-Ungerechtigkeiten verfestigt, sondern Carearbeit gerecht(er) geteilt wird.

    4. Umgang mit schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer in sorgenden Gesellschaften

    Ein offener und respektvoller Umgang mit den von schwerer Krankheit Betroffenen, mit Sterben, Tod und Trauer (Death und Grief Literacy) ist dabei zentral, um soziale Prozesse kompetent, empathisch und unterstützend zu begleiten.

    Eine sorgende Gesellschaft stärkt Death und Grief Literacy, indem sie Gespräche über Sterben, Tod und Trauer selbstverständlich macht. Sie öffnet Räume für Begegnung, (selbst-)kritischen Austausch und kontinuierliches Lernen.

    Durch Veranstaltungen und kreative Projekte wird die Bevölkerung für diese Themen sensibilisiert: Stadtfeste, Kunstaktionen im öffentlichen Raum, Film- und Musikprojekte oder Bildungsangebote wie Letzte Hilfe-Kurse fördern eine Kultur des Sprechens, Zuhörens und Handelns. Auch Humor darf hier seinen Platz haben – er verbindet und entlastet.

    Partizipation und Kooperation, Selbstbestimmung und Solidarität prägen die Gestaltung von Formaten am Lebensende. Hospize, Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, soziale Dienste, Schulen, Vereine und Kommunen arbeiten zusammen. Wissenschaft und Praxis entwickeln gemeinsam neue Ansätze und Austauschformate – von lokalen Symposien bis zu transnationalen Netzwerken, und fördern gegenseitiges Lernen.

    Transdisziplinäre Forschung, Öffentlichkeitsarbeit und politische Unterstützung stärken die Reflexion in sorgenden Gesellschaften. So wird der Umgang mit Sterben, Tod und Trauer als Teil unseres sozialen Lebens verankert.

    5. Die soziale Frage der Gegenwart

    Das ist die gesellschaftspolitische Aufgabe der Stunde. Das ist der Weg als Antwort auf die Frage:
    In welcher Gesellschaft wollen wir leben und sterben?

    Wir sind inspiriert und überzeugt: Nur eine Gesellschaft der Solidarität, Gerechtigkeit und Sorge – miteinander und füreinander – kann diese Zukunft sichern, die wir groß denken und in kleinen Schritten umsetzen.

    Wir rufen alle Menschen, Institutionen und Entscheidungsträger:innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz dazu auf, sich zu engagieren, Caring Communities zu stärken und Verantwortung für sich und miteinander zu übernehmen. Gemeinsam gestalten wir eine menschliche Gesellschaft, in der niemand allein gelassen wird und Sorge füreinander selbstverständlich ist.

     

    Caring Communities – für eine Gesellschaft, in der Menschlichkeit System hat.